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Übung · 30–45 Min

KI als Sparringspartner
für die Strategieentwicklung.

Eine Übung für Geschäftsführung und Führungskräfte. Allein oder im Führungsteam – in 30 Minuten zu einem ersten strategischen Anker.

Ohne Berater. Ohne Workshop. Ohne perfekten Plan.

Worum es geht

Die Verbindung zwischen Strategie und KI – selbst herstellen.

Die meisten Unternehmen haben bereits strategische Säulen – Kundenzufriedenheit, Wachstum, Effizienz, Mitarbeiterbindung.

Was fehlt, ist die Verbindung: Wie kann KI konkret auf diese bestehenden Ziele einzahlen? Diese Übung nutzt KI selbst als Denkpartner, um genau diese Verbindung herzustellen – ohne Berater, ohne Workshop, ohne perfekten Plan.

Vorbereitung · 5 Min

Drei Dinge aufschreiben.

Auf Papier, nicht im KI-Tool. Das zwingt zum Klären, bevor du losdenkst.

01

Die 3–5 strategischen Säulen des Unternehmens

Falls es kein explizites Strategiedokument gibt: Was sind die Themen, über die in jeder Geschäftsleitungssitzung gesprochen wird? Das sind die impliziten Säulen.

Beispiel

  • · Kundenzufriedenheit
  • · Operative Effizienz
  • · Mitarbeiterbindung & Fachkräftesicherung
  • · Profitables Wachstum
02

Für jede Säule ein konkreter Schmerzpunkt

Nicht abstrakt („Effizienz verbessern"), sondern spezifisch – was genau kostet Zeit, Geld oder Nerven?

Beispiele

  • Kundenzufriedenheit → „Unsere Reaktionszeit auf Kundenanfragen liegt bei 48 Stunden. Kunden beschweren sich regelmäßig, dass sie zu lange warten."
  • Operative Effizienz → „Die Angebotserstellung dauert im Schnitt 3 Tage, weil jedes Angebot manuell aus Vorlagen zusammengebaut wird."
  • Mitarbeiterbindung → „Neue Mitarbeitende brauchen 4–6 Monate Einarbeitung, weil das Wissen in den Köpfen einzelner Leute steckt und nirgends dokumentiert ist."
  • Profitables Wachstum → „Wir verlieren regelmäßig Ausschreibungen, weil wir zu langsam sind – nicht weil der Preis nicht stimmt."
03

Was heute schon an KI im Einsatz ist

Auch wenn es wenig ist. Schatten-IT ehrlich benennen ist Teil der Bestandsaufnahme.

Beispiel

„3 Leute nutzen ChatGPT privat für E-Mails und Texte. Offiziell gibt es keine Freigabe und keine Lizenzen. In der Buchhaltung nutzt eine Kollegin ein KI-Tool zur Rechnungserkennung. Sonst nichts."

Die Übung

Vier Prompts.
Aufeinander aufbauend.

Standort → Konkretisierung → Gegenprobe → Verdichtung.
In ChatGPT, Claude, Copilot – egal welches Tool.

01

Standort bestimmen

Den folgenden Text in ein KI-Tool eingeben und die [eckigen Klammern] mit den eigenen Angaben füllen:

Du bist ein erfahrener Strategieberater für digitale Transformation im Mittelstand. Du denkst in strategischen Zusammenhängen, nicht in Tools oder Produkten. Du stellst unbequeme Fragen und gibst ehrliche Einschätzungen.

Ich bin Geschäftsführer/in eines Unternehmens mit [Anzahl] Mitarbeitenden in der Branche [Branche]. Unsere strategischen Säulen sind: [Säule 1], [Säule 2], [Säule 3]. Unsere größten operativen Schmerzpunkte sind: [Schmerzpunkt 1 mit konkretem Beispiel], [Schmerzpunkt 2 mit konkretem Beispiel]. Aktuell nutzen wir KI für: [aktuelle Nutzung oder „noch gar nicht"].

Analysiere unsere Ausgangslage. Ich suche keine konkreten Use Cases oder Tool-Empfehlungen – ich will verstehen, in welchen strategischen Feldern KI für uns den größten Unterschied machen könnte. Auf welche unserer Säulen könnte KI am stärksten einzahlen und warum? Wo ist die Lücke zwischen unserem Ist-Zustand und dem, was möglich wäre, am größten?

Prompt kopieren

Was passiert

Die erste Antwort liefert eine strategische Einordnung – keine Lösungsliste, sondern eine Landkarte: Wo lohnt es sich hinzuschauen? Das ist die Grundlage für das Nachbohren.

02

Nachbohren – konkret werden

Den interessantesten Ansatzpunkt aus der Antwort aufgreifen:

Das Feld [strategisches Feld] scheint der stärkste Hebel zu sein. Hilf mir, das schärfer zu denken: Was müsste sich in unserem Unternehmen verändern, damit KI dort wirklich wirken kann? Welche Voraussetzungen fehlen uns wahrscheinlich? Und wie würde sich ein Erfolg in diesem Feld nach 6 Monaten anfühlen – nicht technisch, sondern im Arbeitsalltag der Beteiligten?

Prompt kopieren

Was passiert

Der Fokus bleibt strategisch – nicht „welches Tool", sondern „was muss sich ändern, damit es funktioniert". Das Ergebnis ist ein klareres Bild davon, welche Rahmenbedingungen die Geschäftsführung schaffen muss.

03

Gegenprobe – Risiken und Blocker

Jetzt die Gegenprobe: Wo könnten wir uns selbst im Weg stehen? Welche Annahmen mache ich gerade, die falsch sein könnten? Und welche strategischen Risiken entstehen, wenn wir dieses Feld priorisieren und andere erstmal zurückstellen?

Prompt kopieren

Was passiert

KI ist besonders nützlich als Advocatus Diaboli. Die Antwort zeigt blinde Flecken und unausgesprochene Annahmen, die im eigenen Führungsteam selten hinterfragt werden.

04

Einen Satz formulieren

Formuliere auf Basis unseres gesamten Gesprächs einen einzigen Satz, der unser KI-Ziel für die nächsten 6 Monate beschreibt. Der Satz muss so konkret sein, dass wir in 3 Monaten prüfen können, ob wir uns in die richtige Richtung bewegen. Gib mir 3 Varianten – von konservativ bis ambitioniert.

Fasse danach das gesamte Gespräch als knappe Executive Summary zusammen – leicht scanbar, mit klaren Überschriften, so formatiert, dass ich es in 2 Minuten erfassen und direkt in eine Führungsrunde mitnehmen kann.

Prompt kopieren

Was passiert

Dieser Satz ist kein fertiges Strategiedokument. Er ist ein Orientierungspunkt – gut genug, um loszulaufen und in 3 Monaten zu prüfen, ob die Richtung stimmt.

Was danach passiert

Der Satz ist nicht das Ende.
Er ist der Einstieg.

Den Satz (oder die beste Variante davon) mitnehmen in die nächste Führungsrunde. Nicht als fertigen Beschluss, sondern als Diskussionsgrundlage:

„KI hat mir auf Basis unserer Situation Folgendes vorgeschlagen. Passt das? Was fehlt? Was sehen wir anders?"

Die Stärke dieser Übung liegt nicht in der KI-Antwort selbst – sondern darin, dass die richtigen Fragen gestellt werden. Viele Führungsteams diskutieren KI ohne klare Fragestellung.

Die vier Prompts erzwingen Struktur: Standort → Konkretisierung → Gegenprobe → Verdichtung.

!

Tipp: Im Führungsteam besonders wirksam.

Die Übung funktioniert allein in 30 Minuten. Noch wirksamer ist sie, wenn 2–3 Personen aus der Geschäftsführung sie unabhängig voneinander durchführen und danach die Ergebnisse vergleichen.

Die Unterschiede in den gewählten Schmerzpunkten und Ansatzpunkten zeigen, wo im Führungsteam noch kein gemeinsames Bild existiert. Genau dort lohnt sich die nächste Diskussion.

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